Super Seven
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Angeregt durch ein Konzert der korsischen Gruppe „I Muvrini" durchfuhr uns bereits 1997 erstmals der Gedanke, diese Insel zu bereisen. Der zweite Gedanke kam eigentlich nicht lange danach - „natürlich mit dem Seven"!

Bald darauf wurden die ersten Reiseführer durchstöbert, Kartenmaterial studiert und Bekannte ausgefragt, die die Insel aus eigener Erfahrung schon kannten. Eine der Hauptfragen war immer „wie sind die Straßen auf Korsika"? Oft bekamen wir nur „geteert sind sie schon -" zu hören und wir interpretierten das positiv, doch davon später. Ein Korsika-Video wurde auch noch mit Interesse begutachtet, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
Langsam aber sicher entstand eine grobe Planung. Rund um die Insel und einige Male quer durch sollte es sein. Die Anfahrt nicht auf der Autobahn, sondern auf Landstraßen bester „Seven-Kategorie". Ein Blick auf die Korsika-Straßenkarte läßt jeden Liebhaber kurvenreicher Strecken erschauern, es gibt eigentlich fast keine Straße ohne das Geschlängel endloser Kurven. In Gedanken sind wir einige dieser Leckerbissen schon x-mal abgefahren. Nun gut, die Realität wird unsere Träume etwas zurechtrücken, doch davon, wie gesagt, etwas später.
Als Termin schien uns der Mai am besten zu sein. Die erwachende Vegetation in fortgeschrittenem Stadium, schönes Frühsommer-Wetter und noch wenige Touristen ließen uns diesen Monat günstig erscheinen, obwohl acht Regentage als Monatsmittel nicht gerade wenig sind. Was haben solche Statistiken schon für einen Wert?! Wir wollten einfach optimistisch sein.
Somit wurde Mai 1998 als Termin festgelegt um mit Seven, Zelt und minimalem Gepäck gen Korsika zu ziehen. Aus verschiedenen Gründen wurde es dann 1998 doch nichts mit dem geplanten Urlaub. Da die Planung aber stand war es kein Problem, einfach den Mai 1999 als nächsten Termin ins Auge zu fassen.
Soweit die Vorgeschichte zu dieser Reise.
Bereits im März 1999 stand schon ziemlich sicher fest, daß es dieses Jahr klappen würde, ein geringes Restrisiko eingeschlossen, die da waren Beruf und Gesundheit. Als freischaffender Künstler ist man zwar frei in seinen Entscheidungen, aber doch ziemlich abhängig von den Wünschen der Auftraggeber und meine Beifahrerin Heidi wußte nicht sicher, ob ihre Wirbelsäule nach der Operation fast 4 Wochen im Seven heil überstehen würde. Einige ausgiebige „Testfahrten" brachten diesbezüglich positive, aufschlußreiche Erfahrungen, also stieg das Reisefieber von Woche zu Woche.
Anfang April fiel mir auf, oder ein, daß die Überfahrt zur Insel noch ungeklärt war. Irgendwie Livorno - Bastia, oder so. Das schien uns etwas zu vage, also an den PC gesetzt und im Internet gestöbert. Binnen kurzer Zeit war alles gefunden, was wir suchten. Täglich verkehrt eine Fähre zwischen La Spezia und Bastia. Das war ideal für uns, da die Fährtermine von Livorno nicht so günstig, nämlich nur zweimal die Woche lagen. Die Reederei hieß <Happy Line> und man konnte direkt im Internet buchen, dies und der günstige Preis mit 50% Ermäßigung auf die Rückfahrt bei sofortiger Buchung und als Clou die <Happy Night>, die Möglichkeit bereits am Abend vor der Abfahrt auf der Fähre in einer schönen Kabine zu übernachten, ließen uns zugreifen. Das Buchungsformular war schnell ausgefüllt und abgeschickt. Die Wartezeit auf die Bestätigung stellte meine Geduld arg auf die Probe. Nun gut, es bedurfte einiger Telefonate um alles zu klären. Bezahlung mit VISA-Card, weil Überweisung aus Zeitgründen nicht mehr möglich, Ticketversand mit dem Kurier weil italienische Post zu unsicher.
Was soll ich sagen, 2 Tage vor unserer Abfahrt kamen die Tickets, Als Anmerkung muß ich gestehen, daß es gereicht hätte auf der Fähre zu buchen, denn außer uns wollte niemand auf der Fähre übernachten, und bei der Überfahrt waren es auch nur eine Handvoll Autos. Die ganze Hektik hätte ich mir sparen können.
Starttermin 1. Mai 1999 vormittags, der Seven wurde schon am Vortag „gesattelt" um ja keine Zeit zu verlieren. Es war nicht unsere erste Urlaubsreise mit Seven und Zelt, somit stand schon vorher fest was alles mit mußte bzw. nicht mit konnte.

Ich will das mal kurz aufzählen: 1 Iglu-Zelt (Salewa „Sierra Leone"), 1 Zeltunterlage, 2 IsoRest-Matten (selbstaufblasend), 2 Schlafsäcke, 2 Polartec-Fleecedecken, für jeden von uns Wäsche für 10 Tage (mehr geht nicht, dann ist Waschtag), 1 Jeans zur Reserve, 5 T-Shirts, 1 langärmliger Pullover und eine Polartec-Fleecejacke, Waschzeug, Kameras, Filme und einiger persönlicher Kleinkram. Nicht mit von der Partie: Kochzeug und Lebensmittel.

Wie wird der Seven damit bepackt?

Statt Reserverad kommt der Holzkoffer (Spezialanfertigung unseres Dorfschreiners) zum Einsatz, in ihm die Wäsche, T-Shirts etc. Im „Gepackraum" des Seven die Schlafsäcke, Waschzeug und Kleinkram. Auf dem Koffer die Matten und das Zelt, gut verschnürt und davor auf der Persenning des „Gepäckfaches" 3 wasserdichte Kompressionssäcke mit dem Rest. Halt, das Verdeck ist im „Gepäckfach" ganz unten, es ist nicht geplant, daß es zum Einsatz kommt, aber daheim lassen ist auch nicht drin. Anmerkung: Es wurde nicht benötigt, vielleicht bleibt's beim nächsten Mal daheim. Als Schutz vor Regen und nächtlicher Feuchte kommt sowieso ein Spritzverdeck zum Einsatz.

Auf diese Weise bepackt steht der Seven bereits am Vortag abends in der Garage. Bestimmt ist er genauso aufgeregt wie wir.
Morgens 1. Mai, ein erster banger Blick zum Himmel, waren doch die Tage davor nicht besonders berauschend und wer will schon gern im Regen in den Urlaub starten. Der Tag war gut, bedeckter Himmel zwar, aber kein Regen. Der Wetterbericht mit seiner Voraussage beruhigend, nur leichte Schauer vielleicht. Die dicke, pelzgefütterte Lederjacke angezogen und pünktlich ging's los.
Das Etappenziel des 1.Tages lag in Südtirol, Nähe Lana bei guten Freunden. Dort wollten wir einen gemütlichen Abend verbringen und in einer Pension übernachten.
Der Tag darauf würde uns dann zur Fähre nach La Spezia bringen.
Wie schon einmal angemerkt, sollte der Seven keinen einzigen Autobahnkilometer fahren, nur Landstraße. Ja, es geht, auch ohne Autobahn kommt man nach Südtirol, und wie! Als Höhepunkt dieses Tages im wahrsten Sinne des Wortes der Jaufenpass mit 2094 Meter. Über Bad Tölz, Kochel, Mittenwald, Zirlerberg, Innsbruck, Brenner Staatsstraße nach Sterzing, Jaufenpass, Passeiertal nach Meran und Lana. Was für ein Auftakt!
Oben am Jaufen fuhren wir zwischen den Schneewänden. Zurückversetzt in den Winter (die Fliegerjacken wärmten uns gut) überquerten wir die Paßhöhe und jeder Meter abwärts Richtung Meran brachte uns wieder in den Sommer. Herrlich diese Blütenpracht, alle Obstbäume hatten sich verabredet zur gleichen Zeit zu blühen, es war nicht das Weiß des Schnees vom Winter das die Hänge bedeckte, sondern das der Blüten des Frühlings. Ein Schauspiel das so nicht alle Jahre vorkommt.
Der lange, harte Winter mit den plötzlich einsetzenden warmen, sommerlichen Temperaturen hatte dies wohl hervorgerufen. Langsam wurden uns die Lederjacken zu warm. War am Jaufen der Kragen noch hochgeschlagen, der Reißverschluß ganz fest zu, in Meran wollten wir die warme Luft an uns ranlassen. Die Jacken weit geöffnet strebten wir unserem Ziel entgegen.
Es wurde ein netter Abend bei Freunden, denn es gab viel zu erzählen. Doch die nächste Etappe nach La Spezia war lang und so gingen wir nicht zu spät schlafen. Bei der Rückfahrt war ja wieder ein Aufenthalt in Lana vorgesehen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der gemütlichen Pension Sonnleit (Völlan) starteten wir bei herrlichem Südtiroler Wetter. Ich hatte die Lederjacke bereits verstaut und gegen einen langärmeligen Pullover mit Fleeceweste vertauscht. Heidi wollte erst noch das Gampenjoch und die südlicheren Gefilde abwarten und zog lieber nochmals die Lederjacke an. Sie hatte die erste Etappe gut überstanden, der Rücken machte keine Probleme, eine zur Sitzauflage umfunktionierte Fleecejacke leistete gute Dienste. Der Seven ist halt keine „Affenschaukel", sondern gibt so ziemlich jede noch so kleine Unebenheit der Fahrbahn mit gnadenlosen Stößen an die Insassen weiter.

Diese Etappe brachte uns von einem landschaftlichen Leckerbissen zum nächsten. Zuerst das Gampenjoch, dann runter über Fondo, Trento zum Gardasee, entlang am Ostufer weil das Westufer mit seinen Galerien noch gesperrt war. Ein Felssturz hat im späten Winter ein Stück Straße weggerissen, die Reparaturen waren wohl schwierig, dauerten sie doch schon länger als geplant. Nach dem Gardasee ging's durch die Poebene, über Parma in Richtung Apennin. Wer noch nicht durch den Apennin auf der SS62 gefahren ist, der sollte es mal tun, herrliche Straßen inmitten schöner Landschaft, Kurve reiht sich an Kurve. Da frohlocken Fahrer und Seven!
Obwohl wir nur eine kurze Rast irgendwann einlegten, wurde es sieben Uhr abends bis wir La Spezia erreichten. Würden wir die Zufahrt zum Fähranleger finden? Die Beschreibung aus dem Internet ging von der Ankunft über die Autobahn aus. Nun, wir brauchten nur 2 Anläufe bis wir die etwas versteckte Zufahrt zur richtigen Mole gefunden hatten. Unsere Überraschung war groß, wir dachten zuerst, daß wir uns auf die Hafenpromenade verirrt hätten. Lauter Fußgänger, mit Kind und Kegel beim Flanieren, es war Sonntagabend und wir mittendrin. Wer die Begeisterungsfähigkeit der Italiener für Autos kennt, der kann sich vorstellen was wir erlebten.
Die Wartezeit wurde uns inzwischen nicht zu lang. Wir standen neben dem Seven und beobachteten die Spaziergänger. Für die meisten war dieses Auto eine Sensation. Immer wieder wurde ich ausgefragt: Die Marke, das Baujahr, der Motor, die Leistung und, und ....... Alles schien sie zu interessieren. Manche schauten ungläubig zuerst den Seven, dann uns an. Als wollten sie es nicht glauben, daß sowas auch ein Auto für den „Alltag" sein konnte. Sogar die Carabinieri machten für ein Schwätzchen mit uns Halt.
Ein Paradies für jeden Sevenfahrer, besonders wenn das „gute Stück" daheim in der eigenen Garage und in eigener Regie zusammengeschraubt wurde.
Ja und schon war die Fähre da, mit Interesse und Respekt verfolgten wir das gekonnte Anlegemanöver. Einige Autos verließen den Bauch der Fähre und bald darauf wurde ich durch einen freundlichen Wink aufgefordert an Bord zu fahren. Mit dem Seven nicht ganz so einfach wie mit einem normalen Auto. Etwa 11 Zentimeter Bodenfreiheit und die Rampe zur Fähre ist hoch. Erfahren inzwischen, es ist nicht die erste Fähre die der Seven „betritt", kannte ich den Trick wie man da raufkommt ohne aufzusitzen. Außerdem gab es genügend wachsames Personal, das mißtrauisch den Abstand zwischen Seven und Rampe beäugte.

Es ging gut und der kleine Seven stand im dicken Bauch der Fähre, was für ein Gegensatz. Kaum zu glauben, wir waren das einzige Auto auf der Fähre. Keiner außer uns hatte anscheinend die <Happy Night> gebucht.

Himmlisch, ein Riesenschiff ganz für uns allein. Freundlich, fast überschwenglich wurden wir an Bord begrüßt. Ein Steward schnappte sich unser kleines Handgepäck, führte uns zum Einchecken und dann zu unserer Kabine. Sofort brachte er uns eine Flasche erfrischendes Mineralwasser für den ersten Durst und gab uns zu verstehen, jederzeit unsere Wünsche erfüllen zu wollen. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten gingen wir das Schiff zu erkunden.

Vor allem das Schiffsrestaurant wollten wir aufsuchen, hatte sich doch inzwischen bei uns ein unbändiger Hunger eingestellt. Würde es was zu Essen geben? Wir waren ja die einzigen Übernachtungsgäste. Doch was soll man sagen, aus drei Gerichten mit verschiedenen Vorspeisen konnten wir wählen, für alles war gesorgt. Es war einfach super!

Herrlich gestärkt an Leib und Seele begaben wir uns zur wohlverdienten Ruhe. Den Wecker mußten wir nicht bemühen, da die Abfahrt Morgen um 8:15 Uhr für uns ohne Bedeutung war, befanden wir uns doch bereits an Bord. Ein richtig gutes Gefühl.

Eine Unruhe ließ uns dann doch nicht so unbeschwert bis in den Vormittag hinein schlafen. Heidi wollte es sich nicht nehmen lassen, die Ablegemanöver und die Ausfahrt aus dem Hafen zu fotografieren. Nach einem sehr reichlichen und guten Frühstück genossen wir die 5 Stunden dauernde Überfahrt nach Bastia. Dabei stellten wir fest, daß sich für die Überfahrt außer uns doch noch einige Passagiere an Bord eingefunden hatten.

Während der Fahrt hatten wir das große Glück in einiger Entfernung zwei Wale beobachten zu können. Für einen kurzen Moment sahen wir einen Körper, eine Schwanzflosse und danach mehrere Male zwei Fontänen dieser blasenden Geschöpfe. Wir waren sehr berührt von diesem Erlebnis.

In Bastia angekommen standen wir schon ungeduldig bei unserem Seven und warteten darauf, das Schiff verlassen zu können. Endlich senkte sich die Rampe, gefährlich hoch sah sie aus. Mein Gefühl trog mich nicht, denn es bedurfte einiger Manöver, um unbeschadet wieder festen Boden zu erreichen. Da wünschte man sich doch direkt eine Niveauregulierung!

Wir durchquerten Bastia in südlicher Richtung und waren froh, endlich das Gewühl der Stadt hinter uns zu haben. Weit hatten wir nicht bis zu unserem ersten geplanten Campingplatz, wir mußten ihn nur finden.

Zwischen Meer und dem <Etang de Bigulia> auf einer Landzunge gelegen galt es die richtige Abfahrt zu erwischen. Von der N193 noch etwa 10 Km auf der D10 zum Camping <San Damiano>. Im zweiten Anlauf, mit der Hilfe einer freundlichen Dame die uns den rechten Weg wies, schafften wir es dann auch.
An der Rezeption checkten wir ein, der freundliche Patron sagte uns noch so nebenbei, daß wir unser Zelt besser nicht in einer Mulde aufbauen sollten, da für die Nacht schwere Gewitter und viel, viel Regen angekündigt wären.

Noch aber schien die Sonne und wir nutzten den frühen Nachmittag um uns mit korsischen Spezialitäten zu versorgen. Ausgestattet mit Schinken, Wurst, Ziegenkäse, Brot und Wein zelebrierten wir unser erstes korsisches Picknick . Müde genug um früh ins Zelt zu kriechen, glaubten wir schon gar nicht mehr an die Wettervorhersagen des Patron.

Doch irgendwann in der Nacht traf's ein. Ein heftiges Gewitter jagte das andere. Schwerer, heftiger Regen prasselte auf unser Zelt, die Blitze zuckten, der Donner grollte. Eigentlich nicht der richtige Empfang für uns. Wie sollte das nur weitergehen, hoffentlich kein schlechtes Omen für den Urlaub. Zum Glück brauchten wir uns um die Wasserdichte von Zelt und Sevenabdeckung keine Sorgen machen, da bleibt alles dicht, wie wir aus der Vergangenheit wußten. Umdrehen und weiter schlafen, was sonst. Gut, daß wir den Rat befolgt hatten und in keiner Mulde standen, sollte man vielleicht sowieso nicht machen. Der Tip vom Patron war schon „très bon".

Gegen Morgen zu wurde der Regen leichter und es hörte bald ganz auf zu regnen. Als wir etwa um 8 Uhr aufstanden schien alles ausgestanden zu sein, nur die drohend schwarzen Wolken, die in den Bergen hingen, beunruhigten uns etwas. Genau in diese Richtung waren nämlich unsere nächsten Ausflüge geplant. Dieser Campingplatz sollte ja für die nächsten Tage der Ausgangspunkt sein, um die Umgebung zu erkunden.

Zu diesem Zeitpunkt verunsicherte uns die korsische Wolkenbildung und deren Interpretation auf das zu erwartende Wetter noch erheblich. Nach dem Frühstück wollten wir überlegen, was zu tun sei.

Frühstück, was heißt das eigentlich, wenn man nichts zum Kochen mitführt?
Nun es kann sein, daß 1. der Campingplatz ein Frühstück anbietet, oder 2. ein nahes Restaurant, oder 3. etwas Gebäck vom Vortag mit Wasser hinuntergespült und der Kaffee in einer Bar unterwegs nachgereicht wird.
Momentan kam Verfahren drei zur Anwendung. In der Bar beratschlagten wir die Ausflugsmöglichkeiten und beschlossen dann mutig, in Richtung der dunklen Wolken zu fahren. Umkehren war ja immer noch möglich.
Der erste Ausflug sollte uns in die Castagniccia führen, bekannt durch ihre wilde und grüne Vegetation in den Bergen. Dort wachsen unzählige Kastanienbäume, deren Früchte jetzt unter anderem den vielen ausgewilderten Schweinen als Nahrung dienen. Früher wurden die Kastanien von den Bewohnern geerntet und trugen wesentlich zu deren Ernährung bei. Inzwischen hat das an Bedeutung für sie verloren.
Die dermaßen aufwachsenden Schweine sind begehrte Fleischlieferanten. Die Ernährung mit Kräutern und Kastanien ergibt diese köstlichen Schinken und Würste. Man muß sie einfach probiert haben. Manchmal plagt einen schon das schlechte Gewissen, wenn einem die possierlichen und schlauen Tiere auf der Straße begegnen. Die laufen frei herum wie bei uns das Wild. Ab und zu sieht man Spuren von Gattern, wohl mehr für Rinder, Schafe und Ziegen gedacht, als für die Schweine. Wir fanden, daß das ein gutes Schweineleben sei.
Ein wagemutiger Abstecher auf einer weißen Straße nach Vescovato belohnte uns mit einem herrlichen Dorfplatz unter wunderbaren alten Platanen. Dort sitzen, ein Gläschen Roten genießen und die Seele baumeln lassen, so stellen wir uns Urlaub vor. Der Seven stand geparkt in unserem Blickfeld und genoß die unverhohlene Bewunderung der Passanten.
Was heißt eigentlich weiße Straße?

Nun, auf der Michelin-Straßenkarte gibt es rote, gelbe und weiße Straßen.

Rote sind die Hauptverbindungen, in der Regel N(ational)- Straßen, gelb sind D(epartement)-Straßen und weiß sind ordinäre Landstraßen. Der Zustand der Straßen geht von Rot nach Weiß abwärts, bis zum Niveau „geteert sind sie schon"!!

Noch waren wir mutig und dachten auch noch etwas deutsch, was die Straßen anbelangte. Später verzichteten wir dann von vorhinein auf die Benutzung weißer Straßen. Wobei nicht alle Straßen der weißen Sorte unbedingt die letzte Qualität hatten. Nein es gab weiße Straßen die hatten gelbes Format, ja und leider, leider gelbe die irgendwann im Laufe der Zeit weiß geworden sind. All diese Erfahrungen mußten wir erst noch machen.

Eine andere Erfahrung die wir machen mußten, war das Wetter auf Korsika. In einem Reiseführer stand, das Wetter ist im Süden besser als im Norden, an der Küste besser als in den Bergen, im Westen besser als im Osten. Stimmt so, oder auch nicht!? Wir waren jetzt in den Bergen im nordöstlichen Teil von Korsika!!

Man taucht in die Wolken hinein und denkt gleich duscht's. Im Gegenteil, plötzlich blauer Himmel und Sonne. Entspannung und Freude. Zu früh, denn schon fährst Du im Regen. In Piedicroce eine Pause gerade zur rechten Zeit. Während wir drinnen gemütlich beim Essen sitzen, geht draußen ein Landregen erste Güte nieder. Anschließend dampfen die bewaldeten Berghügel, ein herrlicher Anblick aus dem Seven.
Noch einmal erwischt uns eine Wolke, Kopf einziehen und durch ist die Devise. Es geht den Berg rauf, oben wie mit dem Strich gezogen die Trennlinie zum Trockenen, zur regenfreien Zone. Also wir geben es auf, selbst irgendwelche Vorhersagen auf das Wetter zu machen. Wir nehmen es wie es ist und wird. Bleiben dazu gnadenlos optimistisch, auch als uns ein Regenguß noch kurz vor dem Campingplatz beim Einkaufen überrascht. Da wurden wir fast etwas hektisch, weil der Seven nur mit einem Regenschirm provisorisch abgedeckt war und ein böiger Wind aufkam. Nun, es ging ohne größere Schäden ab.

Das Wetter beruhigte sich am nächsten Tag. Es wurde besser, die Sonne schien. In den Bergen fuhr man manchmal oberhalb der Wolkengrenze wie im Nebel. Die berühmte Kirche <San Michele di Murato> wurde fotografiert, vormittags im „Nebel", am Nachmittag bei strahlender Sonne.

Ein Katzensprung von Bastia an der Ostküste nach St.Florent zur Westküste. Nur rüber über die Berge, oben ein herrlicher Ausblick nach beiden Seiten. Ein rauher Wind pfeift, die Luft ist kühl. Schnell runter über Patrimonio, einem Weinort, zu dem malerischen Ort St.Florent. Das ist Korsika, ein Land voller Gegensätze auf kleinstem Raum. Eben noch in den Bergen, eine halbe Stunde später an der Uferpromenade am Meer.

Ach ja, heute hatten wir das erste richtige Weiße-Straßen-Erlebnis. Zum Aussichtspunkt <Serra de Pigno> sollte es gehen. Ein herrlicher Blick auf Cap Corse wurde versprochen, doch es ging nicht. Auf halber Strecke machten wir kehrt. Im ersten Gang den Berg raufkriechen, nicht weil es so steil, sondern so uneben war - „geteert sind sie schon", es macht einfach keinen Spaß und immer die Angst im Nacken, sich die Ölwanne zu ramponieren. Etwas weiter unten, die Wolken rissen kurz auf, wurden wir doch noch mit einem herrlich Blick auf das Meer nach Ost und West entschädigt. Ein grandioses Land!
Drei Tage vergingen und wir zogen wie geplant nach Corte, der heimlichen Hauptstadt Korsikas um. Corte liegt sehr zentral in den Bergen, inmitten einer gewaltigen Bergkulisse am Zusammenfluß von Restonica und Tavignano. Wieder drohten dunkle Wolken am Himmel. In den Bergen selbst wurde das Wetter zu unserem Erstaunen immer besser. So konnten wir gleich auf dem Weg noch einen Abstecher in die Asco-Schlucht unternehmen. Es hat sich gelohnt, obwohl wir nicht bis <Haute Asco> fuhren, sondern vorher den Lockungen der korsischen Küche erlegen sind und schon in Asco selbst hängenblieben.

In Corte war der geplante Campingplatz nur sehr schlecht zu erreichen, so disponierten wir einfach um. Wir fanden einen herrlichen Platz, etwas rustikal, aber direkt am Tavignano gelegen, unterhalb der Zitadelle von Corte.

Camping <U Sognu> heißt der Platz. Bei Madame gab's ein Frühstück für nicht zu viel Geld und den nächtlichen Gesang der vielen, vielen verwilderten Katzen ganz umsonst. Camping a la fèrme.

Hier in Corte beschlossen wir unsere Planung etwas zu ändern. Eigentlich hatten wir vor, mit dem korsischen Bähnle zu fahren, das in allen Reiseführern angepriesen wird. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen glaubten wir, daß uns diese Bahn nicht den angekündigten „thrill" bringen würde. Was kann so eine Bahn schon noch bieten, wenn man mit dem Seven auf korsischen Straßen unterwegs ist?!

Heidi inspizierte die Zitadelle, die über 166 Stufen zu erreichen war. Währenddessen ließ ich das Treiben auf dem <Place Paoli> an mir vorüberziehen. Ein, zwei kühle Biere verkürzten mir die Wartezeit dabei. Anschließend genossen wir gemeinsam am <Place de Duc de Padue> bei einem kleinen Imbiß den Nachmittag.
Während der Warterei auf Heidi hatte ich in einem Magazin rumgestöbert und entdeckt, daß am morgigen Tag der Troß der Rallye Korsika in Corte Halt machen würde. Drei, vier Sonderprüfungen in der Nähe fanden auch statt. Das wollten wir uns eigentlich nicht entgehen lassen und so beschlossen wir uns die Sonderprüfung Nr.10 von Taverna nach Pont de Castirla anzuschauen. Wir fuhren also rechtzeitig am nächsten Tag zur D18, wo das 16 Km lange Spektakel stattfinden sollte. In Ruhe suchten wir uns einen guten Streckenabschnitt raus, parkten den Seven in sicherer Entfernung abseits der Schußlinie, breiteten die mitgebrachte Decke aus und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Es ist wirklich ein Spektakel, aber nicht von der schlechten Sorte. Immer wieder kamen irgendwelche offiziellen Fahrzeuge, die „securité". Ein Bauer schaute nach, ob seine Rinder alle gut „verstaut" waren und kein Unheil anrichten konnten. Hubschrauber kreisten am Himmel, dann das 1. von drei Vorfahrzeugen, wieder Pause. Endlich das 2. und nach längerer Wartezeit endlich der 3.Vorfahrer.
Wieder verstrichen Minuten, da plötzlich, wie Schüsse knallend hörte man die Fehlzündungen des ersten Autos im Wettbewerb. Gestartet wurde in der Reihenfolge der momentanen Wertung mit 3-Minuten-Abstand. Der Lärm steigerte sich zu einem Stakkato von Auspuffknallen und Gasstössen, dazwischen das Pfeifen der Bremsen. Da taucht er schon auf, mit einem Speed, daß man nicht glaubt, er würde die nächste Kurve meistern. Noch ehe man sich versieht ist er vorbei, entschwindet im Geschlängel der nächsten Kurven. Noch lange hört man die harten Knaller aus dem Auspuff.
So ging es dann Schlag auf Schlag, jeder Wagen verblüffte einen aufs Neue. Spektakulär wurden die Kurven genommen und weg waren sie wieder, die Mäkkinen, McRae, Thiry und wie sie alle heißen. Nach dem letzten Teilnehmer kam das Fahrzeug der Offiziellen als Zeichen, daß die Strecke wieder für alle frei wäre. Die Zuschauer fuhren nun selbst die Strecke, im Geiste sicher wie Mäkkinen und Co, aber sonst doch ganz gesittet.
Beide hatten wir dieses Schauspiel als angenehme Ergänzung zu unseren sonstigen Unternehmungen genossen, kam es doch auch ganz überraschend für uns. Anzumerken, daß es bereits im letzten Drittel der Prüfung wieder einmal zu regnen begonnen hatte. Für die Teilnehmer wahrscheinlich lästiger als für uns. Es dauerte nicht allzu lange, bis die Sonne wieder die Oberhand hatte.
Die Nacht brachte ein kräftiges Gewitter und heftigen Regen, aber da ist es nicht weiter schlimm, eigentlich sogar ganz kuschelig im trockenen Zelt, wenn draußen der Regen prasselt.

Der nächste Tag sollte uns in das <Vallé de la Restonica> bringen, eine der schönsten Ecken auf Korsika. Doch vor den Preis haben die Götter den Schweiß gesetzt, hier in Form einer weißen Straße. 15 Km Buckelpiste mit Wurzeln und Löchern, steil bergauf, und - ja genau - „geteert war sie schon" .

Nach etwa einer Stunde (!) Fahrzeit erreichten wir die <Bergeries de la Grotelle> in 1375m Höhe. Die Strapazen hatten sich gelohnt. Fast auf gleicher Höhe mit den Schneeresten des Winters genossen wir das eindrucksvolle Panorama der uns rundum überragenden Bergwelt. Eine zünftige Brotzeit vor der kleinen Hütte mit Speck, Käse, Brot und Wein ließ uns mit Gott und der Welt in Frieden sein. Zum Abschluß spendierte uns der Hüttenwirt noch ein <eau de vie>, Herz was willst Du mehr?
Also geplant war der Umzug nach Bonifacio über die D69, D344 mitten durch die wilde Berglandschaft Korsikas. Doch bereits in Ghisoni fingen massive Straßenbau- arbeiten an. Die Betonung liegt auf massiv! Der Teer ging über in Schotter, dann fehlte schließlich eine Spur ganz. Plötzlich die Begegnung der 3. Art mit einem riesigen Muldenkipper an dem wir uns irgendwie vorbeimogelten. Schlußendlich begegnete uns ein französisches Wohnmobil, dessen Fahrer uns eindringlich zu erklären versuchte, daß mit dem Seven weiter vorne kein Durchkommen mehr wäre. Mit den Händen deutete er die Höhe einer Stufe an. Zu hoch, also umdrehen, die Baustelle wieder zurück und auf die Alternativroute.

So gelangten wir, nachdem wir nochmals eine Umleitung mitmachen mußten, auf die N198 und darauf nach Solenzara. Jetzt brauchten wir dringend eine Stärkung und welch ein Zufall, dort war schon ein korsisches Spezialitäten-Restaurant mit Köstlichkeiten vom <feu du bois>. Nicht ganz billig, aber es ging noch. Geschmeckt hat's toll.

Wir blieben jetzt auf der N198, um ohne Umweg nach Bonifacio zu kommen. Den anvisierten Campingplatz fanden wir auf Anhieb. Das Plätzchen für unserer Zelt war schnell ausgewählt, ganz oben auf einem Plateau mit einer herrlichen Aussicht auf die <Straße von Bonifacio> und Sardinien. Ein feudaler Campingplatz, er stand ja auch mit 3 Sternen versehen im Führer. So schien es auch zu sein. Alles war da. Swimmingpool, Restaurant, Shop, Spielsaloon und einiges mehr. Doch oh Schreck, nichts war in Betrieb. Im Pool das Wasser vom letzten Jahr, bei Nacht quakten die Frösche, waren die vielleicht da drin? Restaurant, Shop etc. alles dicht. Einzig die Sanitäreinrichtungen waren ok. Wir zogen von den drei gleich wieder zwei Sterne ab, den einen gab's für die Aussicht.

Am nächsten Morgen lag dichter Nebel über der <Straße von Bonifacio>, man hörte die Nebelhörner der Schiffe, die dort unterwegs waren. Jetzt war auch der Stern für die gute Aussicht dahin. Wir beschlossen, nicht länger als nötig auf diesem seltsamen Campingplatz zu bleiben. Doch heute wollten wir Bonifacio ausgiebig erkunden.
Wir fuhren also in die Stadt, parkten sicher auf einem bewachten Parkplatz und tippelten los. Vom Hafen aus ging eine zur Fußgängerzone umfunktionierte Straße steil zur Oberstadt hinauf. Ein beliebtes Fotomotiv sind die Häuser auf der steil ins Meer abfallenden, überhängenden Klippe. Wir nahmen uns die Zeit alles in Ruhe zu betrachten.
Später, wieder am Hafen angelangt ließen wir uns in einem Restaurant direkt am Wasser sitzend mit Speis und Trank verwöhnen. Inzwischen war schon ziemlich viel los in Bonifacio. Eigentlich ist ja noch Vorsaison, aber nach Bonifacio kommen sie alle. Immer neue Busladungen verteilten sich in der Stadt. Wie wird's da erst zugehen, wenn Hauptsaison ist?

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz haben wir uns noch in einem Supermarkt versorgt um den Abend gemütlich vor dem Zelt verbringen zu können. Außerdem mußten wir uns eine Wäscheleine und Klammern besorgen, denn Waschtag war angesagt. Malerisch drapierten wir alles zwischen den Erdbeerbäumen um unser Zelt herum zum Trocknen auf die Leine. In der Nacht kam auch noch ein sehr kräftiger Wind auf, der ordentlich an unserem Zelt zerrte und in einer nicht weit entfernten Überlandleitung heulte. Das war der Aufpreis für den erhabenen Standplatz.

Morgens brachen wir zeitig unsere „Zelte" ab. Es sollte in Richtung Propriano gehen.
Wir wollten auf dem Weg dorthin irgendwo am Meer nach einem schönen Campingplatz Ausschau halten. Gar nicht so einfach, fündig zu werden. Gerade am Meer waren einige Plätze noch geschlossen, für die begann die Saison erst im Juni. Andere hatten zwar offen, gefielen uns aber nicht. Gerade als wir schon die Hoffnung aufgeben wollten, das zu finden was wir suchten, stießen wir auf den Campingplatz <Ras L'Bol Club>.
Hier war alles wie es sein sollte. Schöne Stellplätze unter Bäumen, schattig, aber nicht finster. Das Meer gleich nebenan über der Straße. Restaurant am Platz. Wir waren zufrieden. Die Vegetation war für uns auch ein Erlebnis. Palmenreihen direkt am Platz, quasi als Schutz zur Straße hin. Feigenkakteen in voller Blüte und in einer Menge, daß wir nur staunten. Auf der Terrasse vor dem Restaurant Kletterrosen in einer üppigen Pracht. Außerdem mehrere exotische Strielitzien aus dem Kanarenbereich, sowie Mispelbäume.

Wir hatten da wirklich eine schöne Ecke gefunden und zu allem Überfluß war nicht weit entfernt direkt am Strand ein weiteres, bezauberndes Lokal, wo wir gleich den ersten Spätnachmittag unsere Sinne verwöhnen ließen. Meeresfrüchte, Wein und dieser herrliche Ausblick auf die Bucht von Propriano. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, es ging uns gut.

Für Heidi war die Nähe zu Filitosa, der bedeutendsten prähistorischen Ausgrabungs- stätte auf Korsika ein sehr wesentlicher Aspekt. Wir machten uns auch gleich am nächsten Tag auf den Weg, um bei besten Fotografierlicht diese Sehenswürdigkeit zu besuchen. Bereits 6000 Jahre vor unserer Zeitrechnung hatte eine weitgehend unbekannte Kultur diese Menhire errichtet.

Man weiß eigentlich sehr wenig darüber, das meiste sind mehr oder weniger abge- sicherte Spekulationen und Mutmaßungen. Entdeckt wurden diese Schätze vom Grundstücksbesitzer erst in den 50er Jahren. Er machte dann die richtigen Leute auf diese Entdeckung aufmerksam und diese legten ab 1954 das befestigte Dorf frei.

Heidi war begeistert und fotografierte bei bestem Licht alle dargebotenen Sehens- würdigkeiten. Wir hatten Zeit und Muße und ließen den Anblick dieser Megalithen und Steinzirkel auf uns wirken. Mit etwas Phantasie machten wir eine Zeitreise zurück zu einer fremden Kultur. Wie könnte das gewesen sein? Also ich hätte ganz einfach den Seven vermißt!

Zurück zur Gegenwart. Es ging weiter in Richtung Aullene. Die D420 führte uns durch eine wilde, aufregende Landschaft zu diesem kleinen, malerischen Ort. Unterwegs trafen wir immer wieder auf Spuren der Rallye Korsika in Form von schwarzem Reifenabrieb auf der Ideallinie. Die Strecke war nicht nur landschaftlich, sondern auch fahrerisch ein Leckerbissen.

Noch etwas war sehr landestypisch und für deutsche Augen ungewöhnlich. Überall sah man mehr oder weniger bombastische Gräber, eigentlich waren es Sarkophage, manche richtige Mausoleen. Entweder einzeln verstreut in herrlichster Landschaft, oder zusammengefügt zu einem Friedhof. Das hängt mit dem korsischen Totenkult zusammen. Die andere Vorstellung vom Leben nach dem Tode führt zu diesen auffälligen Grabstätten, die oft ein besonderes Fotomotiv abgeben.

In Aullene mußten wir gezwungenermaßen eine Pause einlegen. Der Seven brauchte dringend Sprit und die örtliche Tanksäule war wegen der Mittagspause geschlossen. Der Weg bis zur nächsten Tankmöglichkeit war zu weit. Nun, es war eigentlich eine willkommene Unterbrechung, die wir zu einer ausgiebigen Rast im schattigen Garten der Dorfkneipe nutzten.
Beim Genuß der heimischen Köstlichkeiten bestehend aus Wein, Brot, Schinken und Käse beobachteten wir das Leben um uns herum. Viel spielte sich eigentlich nicht ab. Es war heiß geworden und die wenigen Menschen hielten sich wohl lieber im Schatten ihrer Häuser auf. Einige saßen auf einer Bank unter einem schattenspenden Baum. Selten überquerte ein Auto den Dorfplatz.
Einzig der Seven brachte etwas Aufregung in die Ruhe des Mittags. Sogar ein altes Mütterchen, der „Tankwart" wie sich später herausstellte, drehte ein, zwei staunende Runden um ihn herum. Es ist immer das gleiche, wo der Seven auftaucht kommt Freude auf, man sieht lachende Gesichter, nie eine ablehnende Miene.
Plötzlich querten zwei ganz andere Dorfbewohner den Platz, ganz gemächlich und ohne Hast. Nur kurz wurde der Seven beschnuppert, kein Interesse. Es waren zwei Schweine die da wie streunende Hunde umherspazierten. Für uns irgendwie sensationell. denn kein Hirte, oder Besitzer rannte hektisch hinter ihnen her, sie waren frei!
Irgendwann war die Ruhepause vorbei, der „Tankwart" schloß die Tanksäule und gleichzeitig auch den Kramladen auf. Der Seven wurde betankt, es ging weiter in Richtung Porto Vecchio.
Wiederum führte die Straße durch eine grandiose Landschaft. Wir überquerten den <Col de Bavella>. Hier muß ich die Straße unbedingt lobend erwähnen. Die D302 hat es verdient hier extra erwähnt zu werden. Kurven wie im Walzertakt und ein makelloser Teerbelag. Sie war so schön, daß wir sie zweimal fuhren.
Am Straßenrand, oder in den angrenzenden Bergwäldern sah man sehr häufig Korkeichen. Doch hier konnte man sogar geschälte Exemplare bewundern. Für den Fotografen immer ein lohnendes Motiv. Die Korkgewinnung ist nicht mehr so intensiv wie früher, aber in manchen Gegenden noch vertreten.
Ebenfalls auffällig, daß immer wieder ganze Berghänge nur noch aus schwarzen Baumstümpfen und nachwachsender Macchia bestehen. Brandrodung, unabsichtliche Feuersbrünste durch Blitzschlag oder Unachtsamkeit,? Wir haben nichts darüber gelesen. Traurig anzusehen, wie Skelette ragen die Bäume in den Himmel. Es dauert lange, bis wieder „Gras über die Sache" gewachsen ist. Noch Jahre danach ragen die nun grau verwitterten Bäume aus der alles überwuchernden Macchia hervor.

In Porto Vecchio, einer quirligen Hafenstadt mit Marina und Hafenpromenade brauchten wir dringend eine Erfrischung. Mineralwasser mit Zitronensirup vermischt ist ein herrliches Getränk.

Die Suche nach einem Geldautomaten gestaltete sich etwas aufwendig. Erst die dritte Nachfrage brachte uns auf den „rechten" Weg. So ein Geldautomat und die passende Scheck-Karte sind schon eine praktische Errungenschaft unserer technischen Zivilisation. Heute am Vatertag, auch in Korsika ein Feiertag, hätte die Ebbe in der Urlaubskasse anders nicht beseitigt werden können.
Der nächste Tag brachte uns nach Ajaccio, dem Geburtsort von Napoleon, Kaiser von Frankreich. Für uns war die Stadt etwas enttäuschend, doch liegt das sicher an uns, wo wir mehr das Leben abseits von Trubel und Hektik suchen. Nun, wir fuhren durch um zum <Tour de la Parata> zu kommen, doch auch hier viele Busse mit Touristen. Nur eine kurze Fotopause, dann der Weg wieder zurück durch Ajaccio und nach Patrimonio. Wir genossen den Abend am Meer, morgen war wieder Umzugstag.
Geplant war nach Porto zu fahren, um dort wieder für zwei, drei Tage zu bleiben. Eigentlich ein Katzensprung von hier nach Porto. In Cargèse machten wir unsere ausgiebige Pause, und genossen die herrliche Aussicht bevor wir die letzten Kilometer in Angriff nahmen. Der Weg würde uns durch eine der bekanntesten und großartigsten Landschaften Korsikas führen, die <Calanches de Piana>. Rote, bizarre Felsen hochaufragend aus dem Meer und mittendurch das Geschlängel der Straße. Der Fotograf war schon ganz aufgeregt.
Doch was mußten wir erleben? Heerscharen von Menschen, ausgespien von unzähligen Bussen, drängten sich auf der Straße. Alle mit Kamera ausgerüstet und nur noch den Blick auf die besten Motive, versperrten sie schier jedes Durchkommen. Einer hatte sogar sein Stativ mitten auf der Straße aufgebaut, absolut verrückt!!!
Ohne zum geplanten Fotostop anzuhalten fuhr ich genervt weiter. Für Heidi eine Katastrophe, aber Porto war ja nicht weit, ein Ausflug zurück mit weniger Rummel zum Fototermin schien kein Problem zu sein. Eine irrige Annahme, denn Porto hatte zwar drei Campingplätze, doch keiner sagte uns zu. Also gut, auch kein Problem. Calvi die nächste Stadt war nicht weit, was sind schon 70 Kilometer? Immer an der Küste entlang sollte es gehen, die einzige Verbindung dorthin. Der Weg zurück zu den Calanches von Calvi aus war für einen gemütlichen Tagesausflug wohl kein Problem.
Gesagt, getan, auf nach Calvi. D81 hieß die Straße, gelbe Kategorie. Welcher Idiot hat diesen verdammten Feldweg auf der Karte gelb angestrichen? Es war der Horror für uns und den Seven. Schon bald ist uns klar geworden, daß es auf dieser Straße für uns kein zurück und damit zu den Calanches geben würde! Einmal 70 Kilometer dieser Güte reichen. Mehr als zwei Stunden Fahrzeit für diese Entfernung! Eine Erkenntnis die die Stimmung des Fotografen und damit auch meiner auf den Gefrierpunkt brachte.
Es hätte nur einen weiten Umweg von Calvi zu den Calanches gegeben. Diese 170 Kilometer schienen auch Heidi für ein paar Fotos zu aufwendig. Das ist die „tragische" Geschichte der verpaßten Calanches-Fotos.

Endlich in Calvi angekommen, ich verfluchte unterwegs alle korsischen Straßenbauer mehrmals ob ihrer Unfähigkeit vernünftige Straßen zu bauen, suchten wir uns einen Platz für unserer Zelt. Muß ich erwähnen, daß dieser Platz auch nichts taugte? Es gibt Tage, da geht alles schief. Doch halt, abends am Meer, nach einem die Seele streichelnden Menü gelang Heidi eine tolle Nachtaufnahme von der beleuchteten Kulisse von Calvi.

Der nächste Tag wurde besser. Wir besichtigten Calvi in Ruhe, fuhren dann in beiden Richtungen die Küstenstraße entlang. Auch hier gab es schöne Ausblicke mit Felsen und Meer. Calvi hat den Flair einer mediterranen Hafenstadt, etwas zu sehr auf den Tourismus ausgerichtet vielleicht, aber im großen und ganzen sehr malerisch. Trotzdem beschlossen wir, morgen nach St.Florent umzuziehen. Dieser Ort war uns ja in den ersten Urlaubstagen schon angenehm aufgefallen.

Bei leichtem Nieselregen bauten wir das Zelt ab und fuhren los. Die Fahrt nach St.Florent verlief ohne größere Höhepunkte. Irgendwie gewöhnt man sich an die wunderschöne Landschaft. Der Campingplatz <U Pezzo>, etwas außerhalb des Ortes direkt am Meer gelegen war wieder sehr nach unserem Geschmack. Schöne schattige Plätze unter riesigen Eukalyptus-Bäumen, ein netter Patron, kleines Buffet mit Frühstücksmöglichkeit. Alles in allem ein Ort zum Wohl fühlen. Wir richteten uns häuslich ein, besuchten den Ort zu Fuß, um uns etwas umzusehen und waren wieder mit der Welt versöhnt.

Nachmittags kam ein kräftiger Sturm auf und wir konnten erleben, wie schnell ein Zelt mit schlecht eingeschlagenen Heringen „Flügel" bekommt. Die Besitzer waren nicht da und so versuchte ich zu retten was noch zu retten war. Also, was lernen wir dabei? Ist das Wetter noch so schön, immer mit dem Schlimmsten rechnen und alles gut verankern!
Die Nacht durch blies der Wind weiter sehr heftig. Das Wetter war bedeckt, fast ohne Sonne. Trotzdem beschlossen wir, Cap Corse zu umrunden, falls uns die Straßen keinen Strich durch die Rechnung machen würden. Diesmal ging alles gut. Die Orte Nonza und Erbalunga wollten wir in den nächsten Tagen nochmals besuchen um sie näher zu erkunden. In Patrimonio haben wir uns bei einem Kramladen mit den üblichen Dingen, wie Wein, Brot, Wurst, Käse und Tomaten versorgt. So ausgerüstet machten wir abends am Strand ein gemütliches Picknick. Später saßen wir noch mit dem Patron zusammen und quatschen, soweit die Verständigung es eben zuließ, aber irgendwie klappt das schon. Heute eine ruhige Nacht ohne Starkwind.

Patrimonio ist eines der sieben wesentlichen korsischen Weinanbaugebieten. Die Gelegenheit wollten wir nutzen und eine Weinprobe machen. Bisher hatte uns der korsische Wein sehr gut geschmeckt und deshalb hatten wir die Idee einige Kartons zu kaufen. Nun hat der Seven ja leider für Fracht keinen Platz. Man müsset es halt schicken lassen.

Aus diesem Grund suchten wir uns in Patrimonio einen größeren Winzerbetrieb aus und ich fragte vor der Probe nach den Möglichkeiten der Versendung. Eine charmante Madame bewunderte zuerst den Seven, dann die Antwort <pas de probleme>.

Groß war die Auswahl der Weine nicht, ein Weißer, ein Rosée, ein 97er und ein 98er Roter. Was soll's, der 98er mundete ausgezeichnet, der Preis inklusive Versand sollte etwa 50 Franc/Flasche sein und so bestellten wir 24 Flaschen. Bezahlung mit Visa-Card auch ok. Gerade als Madame die Rechnung ausstellte kam ein Herr, es war der Patron. Sie fragte ihn zu einem Detail der Abwicklung, da winkte er auch schon ab. <no, no> kein Versand nach Deutschland, zu viele Probleme.
Nach Frankreich, Belgien ja das schon, sogar in die USA, doch nicht nach Deutschland. Kaum zu glauben, wie war das mit der EU???
Ok, also kein Wein nach Deutschland, nur 2 Flaschen zum alsbaldigen Verzehr fürs Picknick. Etwas betrübt und erstaunt zogen wir ab. Unterwegs, ich konnte es nicht glauben, hielt ich nochmals bei einem anderen Winzer an. Ich sagte mein Sprüchlein auf, diesmal dem Patron selbst. Der schlug die Hände über dem Kopf zusammen <tres difficile>. Kein Versand nach Deutschland. Doch was tat er? Ein Griff ins Regal, vorher die Frage <blanc ou rouge> und er streckte mir den entsprechende Flasche entgegen. Ein erstaunter Blick von mir, ja, ja, schon ok, ein Geschenk des Hauses. Sind sie nicht nett, die korsischen Winzer?

Den Abend verbrachten wir wieder am Strand und genossen unseren Wein aus Patrimonio.

Nonza wurde noch mal wie geplant besucht, aber die üblichen zwei Busse standen auch schon wieder da, mehr haben gar nicht Platz in dem kleinen Dorf mit Genuesenturm und Kirche. Kaum ist einer weg, kommt schon der nächste. Irgendwie sprechen sich die Busfahrer wohl ab. Mit Handy auch kein Problem.
Was aber erregt in Nonza mehr Aufmerksamkeit als Turm und Kirche zusammen? Richtig, der Seven. Tatsache, ein Bus kommt, hält ziemlich nah am Seven. Dessen Insassen, lauter Rentner beim Ausflug, steigen aus, zücken den Fotoapparat und wo gehen sie hin? Weit gefehlt, nicht die Kirche ist das Ziel, der Seven wird anvisiert. Oma vor dem Seven, schnell ein Foto, jemand ist dabei, der kennt sich aus und erklärt den anderen, was das für ein Auto ist. Ich sitze inzwischen etwas abseits und beobachte amüsiert das Schauspiel. Ich geb's ja zu, stolz bin ich auch.

Erbalunga wurde auch noch mal angesteuert, doch war dieser kleine malerische Ort für uns nicht so sehr geeignet, weil autofrei, und auf der Hauptstraße wollte wir das gute Stück nicht alleine zurücklassen. Es wurde nur ein kurzer Fototermin für Heidi.

Am Abend genossen wir wieder eine Flasche unseres Patrimonio-Weines, diesmal den geschenkten und in Gesellschaft eines Münchner Ehepaares. Es wurden Reiseerfahrungen ausgetauscht und geratscht.
In der Nacht brach ein orkanartiger Sturm los, doch alle Heringe hielten und Heidi hat sich umsonst gefürchtet. Der letzte Umzug stand bevor. Nach Bastia zum <San Damiano> sollte es gehen.
Nur über den Berg auf die andere Seite der Insel brauchten wir zu fahren. Abbau, Packen und Aufbau verschlangen mehr Zeit als die Fahrt. Ich glaube, es waren nur 30 Kilometer. Wir belegten wieder genau den gleichen Stellplatz wie beim Urlaubs- beginn. Noch drei Tage, dann würden wir Korsika den Rücken kehren. Noch war es nicht soweit und wir wollten die letzten Tage bis zur Neige genießen.

Zuerst mal wurde Wäsche gewaschen. Die Gelegenheit war günstig, Waschmaschine am Platz.

Dann suchten wir den Gemüseladen auf, den wir bereits kannten und deckten uns ein. Schon mal korsische Erdbeeren gegessen? Wir auch nicht, sind aber sehr zu empfehlen. Ein bisher nur in England erlebtes Aroma, richtig „erdbärig"!!!

Zum Frühstückskaffee besuchten wir wieder die Bar bei <La Canonica>. Madame erkannte uns sofort wieder, oder war es der Seven? Wir erfuhren, daß am nächsten Tag ein <foire de La Canonica> sein würde, ein Volksfest eben, und daß sie einen Stand mit Getränken betreibt. Würden wir halt den Kaffee auf dem Rummel einnehmen.
Heute wollten wir das kleine Dorf Vescovato nochmals anfahren, dessen Dorfplatz uns in schöner Erinnerung geblieben war. Dort wollten wir ein bißchen verweilen. Auch hier erkannte man uns sofort wieder, ja, ja der Seven!
Weiter ging's nach Morosaglia, dem Geburtsort von Pasquale Paoli, dem großen korsischen Freiheitskämpfer und Staatsmann. Für Korsika sicher von größerer Bedeutung als Napoleon Bonaparte.
In Richtung Cervione fuhren wir nochmals quer durch die Castaniccia, und wieder begegneten uns verwilderte Schweine, Ziegen und freilaufende Rinder. Ein Esel kreuzte unseren Weg und ist jetzt mehrfach verewigt auf Heidis Fotos. Er war ja auch sehr fotogen und zutraulich obendrein.

Einer von Heidis Fotoapparaten war es wohl leid, dauernd benutzt zu werden, er begann nämlich immer öfter zu streiken. Das ist nichts, was des Fotografen Herz erfreut, nun es war ja schon Urlaubsende und der andere <Knippsi> war noch willig.

Unterwegs suchten wir nach einem Lokal, in dem wir <Figatelli> bekommen konnten. Diese Bratwürste sind eine korsische Spezialität und Heidi hatte es sich in den Kopf gesetzt, heute welche zu essen. Es wurde nichts daraus. Vielleicht morgen auf dem Volksfest. Das ganz kurzfristig in Erwägung gezogene traditionelle korsische Musikfest in Bastia ließen wir dann doch sausen.
Der vorletzte Tag auf Korsika begann mit dem Besuch des Volksfestes von La Canonica, es war Sonntag. Madame war erfreut uns begrüßen zu können, wir bestellten Kaffee und einen leichten Weißen.
Anschließend schlenderten wir über den Platz, um die angebotenen Waren und Spezialitäten zu sehen. Es war recht interessant, aber eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Märkten war schon gegeben. Ein Würstchenstand war auch da, zwar gab es keine <Figatellis>, sondern <Merguez>. Eine andere korsische Wurst, sehr speziell. Das war dann was für den Abend. Zuerst wollten wir in Richtung Aleria fahren, um uns dort etwas umzusehen.

Vorher blieb ich aber noch an einem Weinstand „hängen". Wieder fragte ich nach den Versandmöglichkeiten und traute meinen Ohren nicht. Kein Problem, auch nach Deutschland wollten sie es versuchen. Ob das gutgeht?

Also Weinprobe gemacht, es war korsischer Wein aus einer anderen Gegend, aber auch sehr gut. Wir wurden uns bald einig. Fünf Kartons wollte ich kaufen. Bezahlung sofort, Fracht bei Lieferung extra. Nun gut, die Mademoiselles setzten einen Kontrakt auf den sie mir unterschrieben aushändigten, mit Angabe von Adressen und Telefon- Nummern. Wir vereinbarten, daß sie mir per Scheck das Geld wieder zurückschicken würden, falls es Probleme mit der Lieferung gäbe. Wo nur der Wein bleibt, ich denke ich muß jetzt bald mal anrufen?!

In Aleria verbrachten wir den Nachmittag am Strand, leisteten uns ein Fischmenue und genossen die letzten Stunden auf Korsika. Schade, daß der Urlaub, je schöner er ist, um so schneller auch vergeht.

Am Abend stand der Festbesuch mit Würstchen auf dem Programm. Ganz schön scharf diese <Merguez>, haben aber gut geschmeckt.
Das Frühstück wandelten wir an unserem Abreisetag etwas ab. Wir fuhren zu einer kleinen Konditorei mit ein paar Tischen vor der Tür, die uns am Vortag im Vorbei- fahren aufgefallen war. Es gab Erdbeertörtchen, Kaffee und Tee.
Sehr zeitig sind wir dann nach Bastia zum Fährhafen aufgebrochen. Dort haben wir uns in Ruhe umgesehen und zwei Fähren beim Aus- und Einfahren beobachtet. Es dauerte nicht zu lange und pünktlich kam die <Happy Dolphin> an. Zu unserer Verwunderung legte sie aber an einem anderen Kai an als es die Beschilderung eigentlich aussagte. Kein Problem, es war Zeit genug, drehten wir halt eine Ehrenhafenrunde zum richtigen Anleger. Was sag ich, wir wurden sofort wieder erkannt und freundlichst begrüßt, der Seven-Bonus halt.
Ohne Probleme gelang die Zufahrt über die Rampe und der Seven stand wieder auf seinem vertrauten Plätzchen. Außer uns wollten nicht sehr viele mitfahren. Ist wohl noch nicht so bekannt die <Happy Line>, mit <Corsica Ferries> fahren viel, viel mehr.
Als erstes klärten wir gleich die Frage, ob es möglich sein würde, wieder auf der Fähre zu übernachten. Es wäre einfach praktischer für uns hier zu schlafen, als abends um halb acht in La Spezia noch eine Pension oder einen Campingplatz zu suchen. Alles kein Problem, wir bekamen fast die gleiche Kabine wie auf der Hinfahrt. Diese <Happy Lines> kann man wirklich nur empfehlen.
Es wurde wieder eine angenehme Überfahrt. Langsam, aber sicher verschwand Korsika am Horizont. Fast drei Stunden dauerte es aber doch, bis man wirklich nichts mehr sah, es wurde uns wehmütig ums Herz nach dem wunderbaren Aufenthalt dort
Um 18 Uhr hatte dann das Bordrestaurant geöffnet und wir ließen uns so richtig verwöhnen. Parmaschinken mit Melone, Oktopus-Salat und anschließend Lasagne. Dazu eine Flasche Wein, wir lebten nicht schlecht. Inzwischen war die <Happy Dolphin> in den Hafen von La Spezia eingefahren, doch für uns war das ja ohne Bedeutung, wir mussten erst am nächsten Morgen um halb acht von Bord.
Am Abend saßen wir noch auf dem Achterdeck und genossen den nächtlichen Anblick von La Spezia. Ein Riesenschiff, wir die einzigen Gäste, jede Menge Personal, wir kamen uns vor die Queen auf ihrer Privatyacht.

Morgens um sieben Uhr hatten wir dann sogar noch die Gelegenheit, in der Schiffsbar ein Frühstück einzunehmen. Ein Service, wirklich Klasse.

Pünktlich verließen wir das Schiff und fuhren Richtung Südtirol. 460 Kilometer lagen vor uns, alles Landstraße, über den Apennin, die Poebene durchqueren, den Gardasee entlang, diesmal am Westufer, über Triest nach Lana. Auf uns warteten unsere Freunde und das Zimmer in der Pension Sonnleit. Die Schönheiten der Fahrt über den Apennin habe ich ja schon bei der Hinfahrt in den höchsten Tönen gelobt.

Pause am Gardasee an einem lauschigen Plätzchen mit gemütlichem Lokal direkt am See. Ja, das gibt's auch am Gardasee noch, obwohl dort alles fest in deutscher Hand zu sein scheint.

Um 18 Uhr erreichten wir unser Ziel in Lana bzw. Völlan. Von unseren Freunden wurden wir freudig begrüßt. Sie hatten für uns schon einen Tisch in der Buschenschenke <Pfefferlechner> reserviert, wo noch weitere Freunde dazukommen würden. Es wurde ein urgemütlicher Abend, an dem viel erzählt und gelacht wurde.
Falls mal jemand nach Lana fährt, unbedingt den <Pefferlechner> besuchen. Das könnte auch ein schöner Kurztrip mit dem Seven werden.
Nach einem herzhaften Südtiroler Frühstück in der Pension Sonnleit nahmen wir die letzte Etappe in Angriff. Wieder ging es nur auf Landstraßen in Richtung Heimat. Der Jaufen wurde überquert, wo ist nur der ganze Schnee geblieben? Weiter über den Brenner, Innsbruck, Mittenwald, Kochel.
Dort wurden wir von der Wirklichkeit des Lebens eingeholt. Nicht allzuweit von zu Hause, die ersten Umleitungen wegen der Hochwasserkatastrophe. Auf Korsika hatten wir wie auf einer anderen Welt gelebt und blieben von allen schlimmen Nachrichten aus der Heimat verschont. Gut, uns selbst hat es zum Glück nicht betroffen, aber irgendwie trifft es einen doch.

Eine letzte Rast noch im Lieblings-Biergarten in ............ (verrate ich nicht!), dann waren wir gegen halb sieben daheim!!!

Fazit: Suuuuuper war's!!!!!

Mit dem Seven allerdings mit Vorsicht zu genießen, weil die Straßen manchmal gehörige Überraschungen parat haben.

Fotoausrüstung: Nikon TW-ZOOM, Nikon Nuvis mini i APS, Kodak Color Gold 200

Gefahrene Kilometer: 4253, Spritverbrauch 317,5 Liter

Literatur und Kartenmaterial: Michelin Straßenkarte Nr.90 Corse

Baedeker Korsika, Michelin Grüner Führer Corse,

Nelles Guide Korsika

Microsoft Routenplaner 2000

Planung 2000: Sizilien mit dem Seven

Was sonst noch? Am 1.10.99 kommt die Gruppe „I Muvrini" nach München